Kurzsichtigkeit im Klassenzimmer: Lehrkräfte schildern ihre Erfahrungen
Kurzsichtigkeit bei Kindern nimmt weltweit zu (3) – und damit verbunden auch die Herausforderungen im Schulalltag. Lehrkräfte beobachten täglich, wie Fehlsichtigkeit den Lernerfolg, die Konzentration und das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern beeinflusst. (15,16,19,20,22,31)

Die Erfahrungen aus dem Klassenzimmer zeigen, wie wichtig gutes Sehen für die Entwicklung von Kindern ist. (9) Wir haben Lehrkräfte befragt, die ihre Perspektiven auf den Umgang mit Kurzsichtigkeit im Schulalltag teilen.* Ihre Aussagen verdeutlichen, warum frühzeitige Aufklärung, passende Sehhilfen und flexible Lösungen für Kinder eine wichtige Rolle spielen können.
Das sagen die Lehrkräfte:
Umgang mit ersten Sehproblemen
„Meist merkt man schon relativ schnell, ob ein Kind fehlsichtig ist. Die Kinder sagen, dass sie nichts erkennen können, blinzeln oder kneifen die Augen zusammen, wenn sie von der Tafel etwas abschreiben. In diesem Fall raten wir den Eltern, zur Augenuntersuchung zu gehen.“ Steffi K., Grundschullehrerin.
„Wenn ich merke, dass ein Kind Probleme hat, die Tafel oder das Whiteboard zu erkennen, spreche ich es direkt an. Falls nötig, informiere ich auch die Eltern. Letztes Jahr hatte ich eine Schülerin, die trotz Brille selbst grosse Schrift nicht lesen konnte – obwohl sie erst ein halbes Jahr zuvor beim Augenarzt gewesen war. Nach meinem Hinweis an die Eltern bekam sie eine neue Brille. Ihre Kurzsichtigkeit verschlechterte sich so schnell, dass seitdem neue Gläser nötig waren.“ Wiebke M., Gymnasiallehrerin.
Praktische Herausforderungen mit Sehhilfen
„In der Regel müssen wir nicht explizit auf Kinder mit Brille achten. Allerdings fällt mir immer wieder auf, dass Schülerinnen und Schüler mit Brille diese gerne und oft zu Hause vergessen. Besonders junge Schulkinder haben Schwierigkeiten, die Brille kontinuierlich zu tragen – sei es, weil sie sie vergessen oder weil sie ihnen nicht gefällt.“ Anja K., Grundschullehrerin.
„Ich spreche mit den Kindern über den Umgang mit der Brille: Wo sie getragen wird und ob sie z. B. im Sportunterricht oder in den Pausen getragen werden soll. Bei neuen Brillenträgerinnen und -trägern kläre ich in Ruhe, wie sie am besten damit umgehen.“ Nadine E., Grundschullehrerin.
Kontaktlinsen: Thema in der Schule?
„Ich habe generell schon öfter mitbekommen, dass einige Kinder Kontaktlinsen tragen, aber eher zufällig. Bisher wurde ich darüber noch nie gezielt informiert. Manchmal fällt mir auf, wenn ein Kind, das sonst eine Brille trägt, plötzlich keine mehr aufhat, weil es auf Kontaktlinsen umgestiegen ist.“ Wiebke M., Gymnasiallehrerin.
Gutes Sehen = bessere Leistungen?
„Natürlich spielt das Sehen im Unterricht eine ganz bedeutende Rolle, da ein grosser Teil der Informationen über den Sehsinn übertragen werden! Leider erkennen wir oft erst (zu) spät, dass die Sehstärke nicht ausreicht. Die Kinder entwickeln unbewusst Strategien, um nicht aufzufallen – etwa indem sie sich weniger beteiligen oder unkonzentriert wirken.“ Anja K., Grundschullehrerin.
„Aus meinen eigenen Erfahrungen als Betroffene, weiss ich, dass gutes Sehen ein grosser Faktor für den Lernerfolg bei Schülerinnen und Schülern ist, denn der Unterricht zeichnet sich heutzutage durch eine grosse, visuelle Methodenvielfalt aus. Wenn auffällt, dass (besonders junge) Schulkinder wiederholt unaufmerksam im allgemeinen Unterrichtsgespräch sind, würde ich immer darauf hinweisen und dazu raten die Sehleistung abzuklären oder – wenn bereits eine Brille getragen wird, kontrollieren zu lassen, ob die Werte noch stimmen.“ Linn H., Lehramtsstudentin im Examen, Nachhilfelehrerin, selbst kurzsichtig.
Selbstbewusstsein & soziale Erfahrungen
„Meiner Meinung nach kann sich das Tragen einer Brille auf das Selbstbewusstsein auswirken. Viele Kinder haben, gerade in der Pubertät, eine sehr kritische Wahrnehmung von sich, fühlen sich mit Brille nicht wohl oder haben Angst vor Ausgrenzung. Mit bspw. Kontaktlinsen verändert sich das Aussehen nicht – deshalb wird dadurch auch der Selbstwert nicht gemindert.“ Corinna K., Gemeinschaftsschullehrerin.
„Mobbing durch das Brille tragen sehe ich eher selten – das ist ein altes Narrativ, da immer mehr Schulkinder eine Brille tragen. Einige Kinder tragen ihre neue Brille sofort gerne, weil sie damit besser sehen. Andere (eher im Grundschulbereich) haben sich beschwert, weil es sie nervt, die Brille immer auf- und abzulegen, das Gestell ungewohnt ist oder sie Angst vor Sticheleien oder Kommentaren der Mitschülerinnen und -schüler haben.“ Linn H., Lehramtsstudentin im Examen, Nachhilfelehrerin, selbst kurzsichtig.
Sport & Sehhilfen: Brille vs. Kontaktlinsen
„Im Sportunterricht dürfen Kinder ihre Brille tragen, solange sie gut sitzt. Allerdings kann es bei Kontaktsportarten oder schnellen Spielen nötig sein, sie abzusetzen – dann sind kurzsichtige Kinder benachteiligt. Kontaktlinsen wären hier eine sinnvolle Alternative, da sie weniger stören und kein zusätzliches Verletzungsrisiko darstellen.“ Franziska R., Gemeinschaftsschullehrerin.
„Eigentlich wäre für den Sportunterricht eine spezielle Sportbrille sinnvoll, in den seltensten Fällen ist jedoch eine solche vorhanden. Deshalb nehmen viele Kinder mit ihrer normalen Brille teil. Diese sind mittlerweile zwar sehr stabil, trotzdem bleiben ein gewisses Risiko und die Angst, einen Ball oder Ellenbogen auf die Brille zu kriegen. Ohne Sehhilfe wären kurzsichtige Kinder allerdings deutlich benachteiligt und könnten viele Übungen, besonders bei Ballspielen, nur eingeschränkt mitmachen. Kontaktlinsen könnten für diese Kinder eine praktikable Alternative sein, wenn sie damit zurechtkommen.“ Oluf M., Gemeinschaftsschullehrer.
Fazit: Gutes Sehen ist mehr als nur eine Frage der Sehschärfe
Die Erfahrungen der befragten Lehrkräfte deuten deutlich darauf hin: Kurzsichtigkeit bei Kindern ist im Schulalltag längst kein Randthema mehr. Sie beeinflusst nicht nur den Lernerfolg, sondern auch die Konzentration, das Selbstbewusstsein und die soziale Teilhabe von Schülerinnen und Schülern – im Klassenzimmer ebenso wie im Sportunterricht.
Besonders auffällig: Kontaktlinsen und modernes Myopie-Management spielen im Schulalltag bisher kaum eine Rolle. Viele Lehrkräfte sehen jedoch Potenzial – sei es als praktische Alternative im Sport, zur Entlastung im Alltag oder als Unterstützung für das Selbstbewusstsein in sensiblen Entwicklungsphasen.
Was die Stimmen aus dem Klassenzimmer deutlich machen:
- Früherkennung ist entscheidend – viele Kinder kompensieren ihre Sehprobleme unbewusst.
- Die passende Sehhilfe muss zum Alltag des Kindes passen – nicht umgekehrt.
- Aufklärung über moderne Alternativen wie Kontaktlinsen (z. B. MyDay MiSight 1 day) und Myopie-Management sollte stärker in den Fokus rücken – bei Eltern, Kindern und Lehrkräften.
Gutes Sehen ist eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen und gesunde Entwicklung. Damit Kinder ihr Potenzial voll entfalten können, braucht es mehr Bewusstsein, bessere Aufklärung und flexible Lösungen, die über die klassische Brille hinausgehen.
Quelle: www.coopervision.de
