Business

Optiker mit Benzin im Blut

06.01.2022

Eine Tankstelle, an der es keinen Sprit zu kaufen gibt. Sondern ein Optiker sein Brillensortiment anbietet – auf die Idee muss man zuerst einmal kommen. Torsten Klippel und Ehefrau Simone Nikolai-Klippel im deutschen Kriftel hatten diese Idee.

«Vor dem Eingang sollen Zapfsäulen stehen, eine habe ich schon, nun bin ich auf der Suche nach zwei weiteren», erzählte Torsten Klippel vor dem Baustart dem Journalisten der Frankfurter Neuen Presse. «Und auch die Werkstatt, in dem die Mitarbeiter die Sehgestelle anpassen, sollen von aussen erst einmal den Eindruck einer Autowerkstatt machen.»

Seit 1978 führte das Familienunternehmen Klippel ein Optikfachgeschäft im Ärztehaus an der Taunusstrasse in Kriftel. Dort fühlte sich das Ehepaar sehr wohl, hatte der Standort doch Tradition. Der Schwiegervater von Torsten Klippel gehörte 1978 mit zu den ersten Eigentümern, die sich in dem damals neuen Ärztehaus niedergelassen hatten. Doch die Arzt- und Therapiepraxen machten im Lauf der Jahre dicht, anstelle der Apotheke im Erdgeschoss zog eine Versicherung ein. Vermutlich spielte die Lage im reinen Wohngebiet eine Rolle, sodass das Haus für Praxen an Attraktivität verlor.

Schliesslich fand das Ehepaar Klippel ein Grundstück an der vielbefahrenen Hattersheimer Strasse – zentral zwischen Frankfurt am Main und und der Landeshauptstadt Wiesbaden gelegen. Geradezu ideal, um noch einmal ganz neu durchzustarten. Das Gelände an der Ortsgrenze zu Hofheim, das sollte es sein. Doch da war die Krux, dass das Areal überhaupt nicht zum Verkauf stand. Und der Grundstückseigentümer auch gar nicht vor hatte, die Fläche zu verkaufen. Es sei denn, das Konzept würde ihm zusagen, erinnert sich Klippel an die Gesprächen mit dem Eigentümer. Mit der Vorstellung, das Areal, das bislang vor allem als Parkfläche genutzt wurde, mit einem Ladenlokal in Tankstellen-Optik aus den 1960ern aufzuwerten, habe sich dieser jedoch anfreunden können. Klippels Pläne allerdings, neben dem Optikgeschäft in weiteren Stockwerken noch andere Dienstleister oder Unternehmer unterzubringen, hatten sich indessen bald zerschlagen. Zwar gab es Interessenten für die Räume, doch zum Vertrag kam es mit keinem.

Seit März 2018 arbeiten Klippels in ihrem Neubau, der einer alten Tankstelle nachempfunden ist. Nicht nur die Fassade, auch das Interieur lässt die «Roaring Sixties» wieder auferstehen. Mit vielen Sammlerstücken, spannenden Details und natürlich vielen coolen Brillen. Klippels und ihr Team fühlen sich dabei pudelwohl und beraten in ihrer «Tankstelle» mit Engagement und viel Freude die Kunden.

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