Black Friday: Sinn oder Unsinn? Glück oder Unglück?

«Schwarzer Freitag» ist die Bezeichnung eines Freitags, der wegen eines an diesem Tag vorgefallenen Unglücks als besonders denkwürdig erachtet wird. Diesen Eintrag findet, wer auf Wikipedia nicht nach «Black Friday» sondern nach «Schwarzer Freitag» sucht. Die Bezeichnung «Schwarzer Freitag» – die ähnlich auch für andere Wochentage existiert – leitet sich her aus römisch-antiker Tradition, die einen Unglückstag als «dies ater» («Schwarzen Tag») bezeichnete und später dann auch unter Einbeziehung der Wochentage fortgeführt wurde. In der christlichen Tradition galt speziell der Freitag lange Zeit als ein besonderer Unglückstag. Schnäppchenjäger dürften das allerdings etwas anders sehen…

Eigentlich ist die Geschichte des «Black Friday» als Mega-Event für Schnäppchenjäger schnell erzählt: Der Thanksgiving-Feiertag, der in den USA immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird, entwickelte sich über die Jahre zum Auftakt für verlängerte Wochenenden. Immer mehr Amerikaner machten dann den Freitag nach diesem Donnerstag blau oder frei, um vier Tage am Stück nicht arbeiten zu müssen. Die Händler passten sich dem an und begannen, die Kunden mit Rabatten am Freitag in ihre Läden zu locken. 

 

Am Anfang stand die Finanzkrise
Wer hingegen dem vorweihnächtlichen Kaufrausch, genannt «Black Friday»,  nicht viel Positives abgewinnen kann, findet in der Geschichte zum Thema interessante Hinweise. Die erste bekannte Verwendung des Begriffs «Black Friday» bezog sich nämlich nicht auf Weihnachtseinkäufe, sondern auf die Finanzkrise: Insbesondere auf den Zusammenbruch des US-amerikanischen Goldmarktes am 24. September 1869. Die beiden skrupellosen Wall-Street-Finanzjongleure Jay Gould und Jim Fisk arbeiteten zusammen, um so viel Gold wie möglich aufzukaufen, in der Hoffnung, den Preis in die Höhe zu treiben und das Gold mit erstaunlichem Gewinn wieder zu verkaufen. Am erwähnten Freitag im September löste sich die Verschwörung schliesslich auf, was die Börse in freien Fall versetzte und viele in den Bankrott trieb. Der Fall war tief: die Aktien an der US-Börse verloren an einem Tag rund einen Fünftel ihres Werts.

 

Rote und schwarze Zahlen
Die häufigste Geschichte zum «Black Friday» lautet jedoch, dass die Geschäfte nach einem ganzen Jahr mit Verlust («in den roten Zahlen») angeblich am Tag nach Thanksgiving einen Gewinn (also «schwarze Zahlen») erzielen würden, weil die Käufer am verlängerten Wochenende so viel für reduzierte Ware ausgeben würden. Obwohl Einzelhandelsunternehmen bei der Buchführung Verluste in Rot und Gewinne in Schwarz verbuchen, ist diese Version des Ursprungs von «Black Friday» die zwar offiziell genehmigte, aber leider ungenaue Geschichte hinter der Tradition.

 

Verkehrschaos und Ladendiebe
Die eigentlich wahre Geschichte hinter dem Black Friday ist allerdings nicht so sonnig, wie die Einzelhändler vielleicht glauben mögen. In den 1950er Jahren benutzte die Polizei in Philadelphia den Begriff, um das Chaos zu beschreiben, das sich jeweils am Tag nach Thanksgiving ereignete, als viele Einwohner und Touristen in die Stadt strömten, bevor das grosse Armee-Footballspiel ausgetragen wurde. Die Polizisten von Philadelphia mussten extra lange Schichten arbeiten und konnte sich die Feiertage nicht frei nehmen, um mit der Menschenmenge und dem regen Verkehr fertig zu werden. Zusätzlich haben damals viele Ladendiebe das Chaos in den Läden für ihr Treiben ausgenutzt. 

 

Kein Wahlrecht für die Frauen
Der 18. November 1910 wird auch als «Black Friday», als «Schwarzer Freitag», bezeichnet, weil er einen der Tiefpunkte der Frauenwahlrechtsbewegung darstellt: An diesem Tag wollten 300 Frauenrechtlerinnen unter Leitung von Emmeline Pankhurst zum Palace of Westminster in London, um dort einen Entwurf zu einem reformierten Wahlrechtsgesetz zu diskutieren, in dem auch das Frauenwahlrecht enthalten war. Als sie den Parliament Square erreichten, wurden sie von Polizisten und anderen Frauenwahlrechtsgegnern angegriffen. Viele der Frauen wurden schwer verletzt und über 100 Frauenwahlrechtskämpferinnen im Holloway-Gefängnis inhaftiert. Mehrere der Frauen erlitten so schwere Verletzungen, dass sie in den Wochen danach an deren Folgen starben. Eine davon war Mary Jane Clarke, die Schwester von Emmeline Pankhurst, die nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis nicht mehr geheilt werden konnte. Vier Tage nach jenem Schwarzen Freitag verkündete Premierminister Herbert Henry Asquith die Abweisung des Antrags zu einem reformierten Wahlrecht.

 

Die Geschichte des «Black Friday» in der Schweiz
Zwar wird Thanksgiving in Europa und der Schweiz nicht wirklich gefeiert. Dennoch werden auch bei uns am darauffolgenden Freitag alle möglichen Waren stark reduziert. Schon vor ein paar Jahren gab es vereinzelt verhaltene «Black-Friday-Angebote». Doch einen gross angelegten Rabatt-Freitag Ende November lancierte erst die Warenhauskette Manor. Sie brachte den «Black Friday» 2015 in die Schweiz. Mit wirtschaftlichem Erfolg. Den sahen auch andere Schweizer Händler. Schon im Folgejahr gab es einen «Black Friday» bei verschiedenen Warenhäusern, aber auch Coop, Media Markt und Interdiscount. Auch die Migros Aare, Luzern und Tessin gewährten Rabatte. Ebenso die Migros-Töchter Melectronics, Digitec und Galaxus. Mittlerweile hat der Black Friday im Schweizer Shoppingkalender einen festen Platz.

 

Was bringt der Black Friday wirtschaftlich?
Am Black Friday werden in den USA Milliarden von Dollars umgesetzt. Dennoch: In den letzten Jahren hat die Bedeutung des «Black Friday» leicht abgenommen. Denn immer mehr Händler, vor allem in der Online-Welt, versuchen die Kunden mit eigenen Rabattaktionen anzulocken, die vom Feiertagsgeschäft unabhängig sind. Ausserdem folgt seit einigen Jahren auf den «Black Friday» der «Cyber Monday» mit dicken Rabatten im Internethandel. Der «Black Friday» ist aber nach wie vor nicht wegzudenken aus der amerikanischen Shoppingwelt. In den USA markiert der vierte Freitag im November den Auftakt für die Weihnachtseinkaufsaison. Diese sorgt für 20 bis 40 Prozent der Gesamtumsätze im US-amerikanischen Detailhandel.

Bei der Schweizer Warenhauskette Manor rechnet man für die «Schwarzen Freitage» mit tiefschwarzen Zahlen: Verglichen mit normalen Feiertagen setzt die Warenhauskette am «Black Friday» etwa doppelt so viel um. Experten schätzen, dass im gesamtschweizerischen Detailhandel bis zu 60 Prozent mehr umgesetzt wird als an normalen Arbeitstagen zu dieser Jahreszeit.

 

Weitere Informationen zum Thema findetn sich auch unter  «Holy Shopping: Boom der Schnäppchentage» im Artikel von Theresa Schleicher und Janine Seitz vom Zukunftsinstitut.

 





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