Über die Ortlosigkeit des künftigen Warenkonsums und die Sehnsucht nach Raum

09.11.2020

«Das Ende des Konsums», wie der Titel einer jüngst erschienenen Studien lautet, ist bei genauerer Betrachtung vor allem ein Ende des Konsums «as we know it», sprich: des althergebrachten Einkaufens. Doch Menschen werden auch künftig Dinge kaufen müssen. Welche Funktion kommt dem Einzelhandel dabei zu? Zu dieser Thematik äussert sich David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts in einem Interview mit dem dLv.

«Es geht um eine dreifache Revolution: Konsum-Revolution, Handels-Revolution und Daten-Revolution. Erstere bedeutet im Kern, dass der Warenkonsum sich entortet, also immer weniger vom Standort abhängig wird, und dass er sich dematerialisiert, das heißt, immer mehr von Dienstleistungen und Erlebnissen überschichtet wird. Der Warenkonsum selbst wächst nur noch wenig, Dienstleistungs- und Erlebniskonsum hingegen wachsen dreimal oder sogar viermal so schnell», hält David Bosshart fest und führt weiter aus: «Die industrielle Phase der linearen Regal-Logik mit dem langweiligen, öden Filialgefühl geht zu Ende. Der Ladenbauer wird deshalb zum Service-Entwickler, Innenarchitekten, Wohnungsdesigner, Arbeitsplatzgestalter und K.I.-Programmierer. Wir stehen am Beginn eines Strukturwandels. Die Entwicklung verlagert sich von einer Raumlogistik hin zu einer Zeitlogistik. 

Wir messen nicht mehr die räumliche Distanz, sondern die zeitliche: Kunden haben in den vergangenen Jahren dank immer besserer smarter Endgeräte gelernt, sofort zu bekommen, was sie wollen – unabhängig vom Ort.»

 

Der Philosoph Dr. David Bosshart beschäftigt sich als CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts in Rüschlikon, Zürich, schon lange mit der Zukunft des Einkaufens und der sich wandelnden Rolle sozialer Räume. Unlängst legte er mit der Studie «Das Ende des Konsums» einen Nachruf auf den traditionellen Einzelhandel vor. Doch in den allgemeinen Abgesang auf den guten alten Laden will er nicht einstimmen. Das ganze Interview kann hier nachgelesen werden.

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