Zukunftsinstitut: Das postdigitale Zeitalter

«Alles nur ein trotziger Nostalgiereflex?», fragt sich Zukunftsforscher Matthias Horx im Zukunftsreport 2019 zur Zukunft der Digitalisierung und zum aktuellen Retro-Trend zurück zum Analogen. Er beantwortet die Frage gleich selber: «Nein, die Geschichte geht eben nicht geradeaus ins Digitale, sie krümmt sich immer wieder ins Bewährte. Der wahre Grund ist unsere Sehnsucht nach Signifikanz, die in einer digitalen Umwelt übermächtig wird. Wenn alles unendlich kopier- und verfügbar ist, wird das Einmalige, Spezifische, Anfassbare zum neuen Luxus.»

Wir machen heute so viele Fotos in unserem Leben wie noch nie – mit Smartphones. Auf den Festplatten ballen sich Gigabytes von Selfies. Aber diese Zeugen unseres Leben verschwinden einfach im ewigen Dunkel des Nichtgesehenwerdens. Man fotografiert kaum noch, um sich zu erinnern, sondern um sich einzubilden, dagewesen zu sein. Spotify und Netflix sind der Traum jedes Musik- und Film-Freaks. Aber wir alle kennen die «Spotyflix-Fatigue»: Wenn man alle Werke der Welt zur permanenten Verfügung hat, entsteht irgendwann eine innere Leere. Alles ist möglich, nichts mehr wichtig.

 


Vor 20 Jahren schaltete eine unbekannte Firma namens Google ein Suchmaschinenprogramm für vernetzte Computer frei. Schon ein Jahr später erreichte es 1 Milliarde Anfragen. Seitdem hat sich die Welt – oder eher: unsere Wahrnehmung der Welt – in unfassbarer Weise verändert. «Digitalisierung» ist der revolutionäre, quasi-religiöse Mythos unserer Tage. Im Namen des Digitalismus, der Ideologie gewordenen Computerisierung, wird uns die ständige Umwälzung aller Verhältnisse versprochen – und angedroht. Kein Stein bleibt auf dem anderen! Das menschliche Bewusstsein wird radikal verändert! Am Ende übernimmt die Künstliche Intelligenz (KI)! Das ist das dominante Narrativ aller Zukunftskonferenzen, das Super-Mem unserer heutigen Zukunftsbilder. 

 


Aber könnte es nicht auch ganz anders werden? Könnte es sein, dass wir uns bereits hinter dem «Peak Digital» befinden, dem Höhepunkt der digitalen Dynamik? Mitten in einer digitalen Revision, in der der Tanz zwischen Mensch und Maschine eine neue Drehung nimmt? In den USA spricht man bereits vom «Techlash». Um die neue Richtung zu bestimmen, brauchen wir einen neuen Kompass, eine nicht technikfeindliche digitale Aufklärung. Und den Abschied von der fixen Idee, dass sich die ganze Welt in Nullen und Einsen auflösen lässt. 

 


Antworten auf diese Fragen lesen Sie im Auszug aus dem Zukunftsreport 2019 von Matthias Horx unter diesem Link.

 

 





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