Vom Schielen, Fernsehen und Lesen im Dunkeln

«Du verdirbst dir noch die Augen» oder «Wenn du so weitermachst, brauchst du bald eine Brille», solche und ähnliche Ermahnungen haben wohl die meisten von uns in der Kindheit gehört. Es gibt Geschichten – andere sagen auch Mythen – die schon Generationen von Eltern ihren Kindern erzählt haben. «Vom vielen Fernsehen gibts rechteckige Augen» – wobei inzwischen der Computer den Fernseher abgelöst haben dürfte –, «Vom Schielen können die Augen stehen bleiben» oder eben «Lesen im Dunkeln schadet den Augen». Jeder kennt diese Mythen rund ums Auge. Doch was stimmt, was stimmt nicht?

Vom Schielen können die Augen stehen bleiben. Dieser Mythos ist falsch. Wenn man bewusst schielt, dann ist bisher kein einziger Fall bekannt, bei dem die Augen tatsächlich stehen geblieben wären. Sollte es sich jedoch um ein unbewusstes Schielen handeln, deutet das auf eine Störung der Sehfunktion hin und bedarf fachärztlicher Behandlung. Gerade bei Kindern führt ein unbehandeltes Schielen zu einer Einschränkung oder zum Verlust des räumlichen Sehens. Aus diesem Grund ist es ratsam, mit seinem Kind regelmässig den Augenarzt aufzusuchen.


Vom Fernsehen bekommt man viereckige Augen. Auch dieser Mythos ist falsch! Jeder kennt den Spruch von der Mutter oder dem Vater: «Wenn du lange fernsiehst, bekommst du viereckige Augen!» Doch wahr ist diese Aussage natürlich nicht. Es stimmt zwar, dass langes Fernsehen keinen positiven Effekt auf die Sehstärke des Auges hat, seine Form wird dadurch aber nicht verändert. Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass ein zu kleiner Abstand zum Fernseher zur Förderung einer Kurzsichtigkeit führt, abschliessend erforscht ist aber auch das nicht. Kindern, deren Eltern für regelmässige Pausen beim Fernsehen und ausreichend Abstand zum Gerät sorgen, kann  diesbezüglich nichts passieren.


Lesen im Dunkeln schadet den Augen. Richtig. Zumindest ein bisschen. Es gibt Studien, die nachgewiesen haben, dass langes Lesen bei ungenügender Beleuchtung Kurzsichtigkeit hervorrufen kann. Auch bei Arbeiten am Laptop, Tablet oder beim Fernsehen sollte die Umgebungsbeleuchtung stimmen, da dies sonst zu Brennen der Augen oder zu Kopfschmerzen führen kann. «Du verdirbst dir noch die Augen», solche und ähnliche Ermahnungen haben wohl die meisten in ihrer Kindheit gehört, wenn sie im Dämmerlicht noch gelesen haben. Stimmt es aber wirklich, dass Lesen im Dunkeln die Augen verdirbt? «Mit Sicherheit nicht», erklärt Rüdiger Schwartz von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. «Natürlich muss es zumindest ein bisschen hell sein, um lesen zu können. Doch wie hell, ist individuell.» Aber: «Wenn das Licht nicht ausreicht, ist das Lesen anstrengender und die Augen ermüden schneller», erläutert Schwartz, «doch Schaden nimmt das Auge in keinem Fall. Die Pupille wird bei Dunkelheit grösser und dadurch wird die Tiefenschärfe schlechter. Aus diesem Grund ist das Lesen bei Dämmerbeleuchtung anstrengender und erfordert stärkere Konzentration. Tageslicht ist zum Lesen optimal. Vor allem in den warmen Monaten sollten Kinder ohnehin viel Zeit draussen verbringen – auch wegen der Augengesundheit. Denn helles Tageslicht schützt sie vor Kurzsichtigkeit. Dies hat damit zu tun, dass helles Licht Dopamin in der Netzhaut freisetzt und das Längenwachstums des Augapfels reduziert.»





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