«Die gute Nachricht ist: Ich interessiere mich für alles»

Der Popart-Künstler Andy Warhol war bekannt als Träger exzentrischer Brillenmodelle. Das legendäre Foto schoss der fast ebenso legendäre amerikanische Modefotograf Albert Watson. In New York ist bis im März ein grosse Retrospektive mit Werken Andy Warhols zu sehen.

Der Fotograf Albert Watson wurde 1942 in Schottland geboren. Seine beeindruckenden Bilder sind auf mehr als hundert Titelseiten der Vogue erschienen und wurden in zahlreichen anderen Publikationen, darunter Rolling Stone und Time, vorgestellt . Watson hat auch für ungezählte erfolgreiche Werbekampagnen für Unternehmen wie Prada, Revlon und Chanel fotografiert. Und dabei auch die meiste Zeit an persönlichen Projekten – von Marrakesch bis Las Vegas – gearbeitet. Sein Durchbruch gelang ihm 1973 mit einem Schuss, den er immer noch für den wichtigsten seiner Karriere hält: Alfred Hitchcock hält eine gezupfte Gans.

 

Nicht ganz so bekannt wie Annie Leibovitz
Watson ist jedoch mehr als ein Modefotograf und ein berühmter Porträtist. Dies könnte erklären, warum er nicht ganz so bekannt ist wie einige seiner Kollegen – bekannte Namen wie Herb Ritts und Annie Leibovitz. Er fotografiert auch Landschaften, Konzeptkunst, Stillleben und vieles mehr. Watson weiß, dass sein Interesse an einem breiten Genrebereich ihn wahrscheinlich in Bezug auf die Namenserkennung benachteiligt hat, aber er scheint sich nicht allzu sehr darum zu kümmern. «Die gute Nachricht war, ich interessierte mich für alles. Die schlechte Nachricht ist, ich habe mich für alles interessiert», sagt er. «Ich meine, das ist, was ich bleibe. Mit anderen Worten, ich mache gerne all die Dinge, die ich tue. Es war interessant für mich, für die Haute Couture-Kollektionen von Vogue nach Paris zu fahren, um dann in ein Flugzeug zu steigen und nach Kairo zu fliegen, um hier Gegenstände von Tutanchamun zu fotografieren. Ich habe gerade das interessant gefunden.»

 

Wohl der bekannteste Popartkünstler aller Zeiten
Keine künstlerische Stilrichtung hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen so  durchschlagenden Erfolg gehabt wie die Popart. Dass Kunst aus Alltagsgegenständen bestehen könnte, hatte Marcel Duchamp bereits 1917 mit seinen «Readymades» gezeigt. So radikal wie Marcel Duchamp war Andy Warhol (1928 bis 1987) nicht. Auch als Intellektueller würde ihn kaum jemand bezeichnen, aber er beherrschte die Kunst des Visuellen. Und wie man sie verkaufen konnte. Zum Verkaufen benutzt man Werbung. Und damit kannte Andy Warhol sich bestens aus: er war gelernter Werbegrafiker. Besonders erfolgreich wurde er in den 5oer Jahren als Zeichner für Frauenzeitschriften und Kochbücher. Und er machte sich schnell einen Namen mit legendären Partys.

 

In den 6oer Jahren nahm Andy Warhol große Leinwände und malte Motive aus Comics und Cartoon Movies. Das machten aber bereits andere Künstler wie Roy Lichtenstein oder Robert Rauschenberg. Also wandte sich Andy Warhol der Siebdrucktechnik zu und nahm als Vorlage Motive aus Zeitschriften wie Life oder Time. Übrigens nicht unähnlich den Anfängen von Gerhard Richter, der zur selben Zeit Student an der Düsseldorfer Kunstakademie war. Während Richter aber in akribischer Maltechnik versuchte schwarz-weiße Fotografien auf Leinwände zu übertragen, nahm Warhol die Bilder und übertrug sie auf Siebdruck – mit der Möglichkeit der Vervielfältigung. Wirklich berühmt wurde er später mit Portrait bekannter Persönlichkeiten, wie Marilyn Monroe, Mao oder Jackie Kennedy.

 

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit war Andy Warhols ausschweifendes Party Leben ein wichtiger Bestandteil seines Daseins. Das legendäre Studio 54 in NewYork wurde seine zweite Heimat. Anders als viele Prominente, die Angst vor Paparazzis haben, sonnte er sich im Blitzlichtgewitter der Fotografen. So entstanden über die Jahre Tausende von Fotografien von Andy Warhol, aufgenommen von großen Fotokünstlers bis zu einfachen Fotojournalisten. Einige der interessantesten Fotos zeigte Ende 2018 die Galerie CWC in Berlin und feierte hiermit den 90. Geburtstag Andy Warhols. Insgesamt 80 Arbeiten von 20 berühmten Fotografen wie David Bailey, Albert Watson, Greg Gorman oder Steve Shapiro waren zu sehen, darunter sogar eine Arbeit von Dennis Hopper, bekannt aus dem Film «Easy Rider».

 

Noch bis zum 31. März zeigt das Anzeige Whitney Museum of American Art eine grosse Retrospektive mit Werken Andy Warhols unter dem Titel «Andy Warhol from A to B and back again».





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